Unser Adolf ist leider gestern gestorben. Sein Leben begann bereits schwierig. Vor 5 Jahren ist er mit seinen Geschwistern zu uns gekommen. Damals war er gerade einmal 5 Wochen alt und lag mit seinen vier Geschwistern in einer Hecke an einem sehr verlassenen Ort. Eine Mutter war nicht in Sicht und die Kleinen waren sehr gepflegt, so als wären sie in einem Haus aufgewachsen. Alle hatten sie schlimmen Katzenschnupfen, der dann aufwändig behandelt wurde. Aus den kleinen Kitten wurden Halbwüchsige und Adolf war der Anführer. Immer wieder führte er sie in Nachbars Garten und dort machten sie allerlei Unfug, was Katzen eben so tun. Drei Geschwister fanden bald ein eigenes Zuhause, Adolf blieb mit seiner Schwester bei uns. Hier lebten die beiden in einem Schuppen mit großem Gelände und fühlten sich sichtlich wohl. Adolf war zu einem tollen Kater herangewachsen, selbstbewusst, stolz und voller Unsinn im Kopf. Nach ca. einem Jahr fand er auch ein schönes Zuhause bei einer netten Familie mit einer netten Begleitkatze. Aber irgendetwas stimmte dort nicht, denn Adolf musste dort ganz plötzlich wieder weg. So holten wir ihn noch mitten in der Nacht ab. Doch was dann zu uns zurück kam, war zwar äußerlich immer noch unser Adolf, aber innerlich war er gebrochen. Er war nun schüchtern, schreckhaft, setzte sich bei den anderen Katzen nicht mehr durch. Er ließ sich vom Essensplatz wegdrängen und blieb lieber für sich. Einzig seine Schwester konnte sich noch um ihn kümmern. Aus dem fröhlichen, draufgängerischen Jungkater wurde ein einsamer, verschlossener, verschreckter Tropf. Er blieb aber bei uns und oft lag er im Garten in der Sonne und genoss für sich ganz still den Tag. So vergingen die Jahre. Natürlich versorgten wir ihn so gut es ging und er bekam seine Streicheleinheiten und Aufmerksamkeiten. Sein Essensplatz wurde verlegt, damit er genug abbekam. Vor ein paar Wochen fing er an zu schwächeln und nahm ab. Beim Tierarzt sollten seine Zähne saniert werden, weil sie nicht mehr so gut waren. Doch dazu kam es nicht mehr. Zu Beginn der Hitzewelle war Adolf plötzlich verschwunden. Wir suchten ihn an allen seinen Lieblingsplätzen, schickten einen Suchtrupp, machten Aufrufe im Internet, Tassomeldungen und alles, was man dann in die Wege leiten kann. Doch Adolf blieb verschwunden. Wir sorgten uns sehr, denn es wurde immer heißer und es gab keinen Regen. Nach einer Woche kam der ersehnte Regen und auch Adolf lag plötzlich auf einem Stuhl auf der Terrasse. Er war so schwach, dass er kaum den Kopf heben konnte. Er war dehydriert und abgemagert, sein ehemals strahlendes Fell war schmutzig und verklebt, die Fliegen hatten bereits Eier bei ihm abgelegt. Beim Tierarzt wurde noch alles versucht, um ihn zu retten, aber sein entkräfteter Körper konnte nicht mehr und Adolf machte sich auf die Reise. Ein letztes Mal konnten wir seine Pfote halten und ihm übers Fell streicheln, dann wurden die Augen starr. Adolf wurde fünf Jahre alt und wir hätten ihn liebend gern noch zwanzig Jahre begleitet. Aber es kam anders. Vielleicht hätte man ihn retten können, wenn er früher gefunden worden wäre, oder, wenn es nicht so heiß gewesen wäre. Nun ist eine liebe Seele auf der anderen Seite. Lieber Adolf, du wirst uns, und besonders deiner Schwester, hier sehr fehlen.